Erbschaft im Voraus planen

Auch wenn es sicherlich angenehmere Dinge gibt als sich mit dem "nach mir" zu beschäftigen, geben es doch eine Reihe sehr guter Gründe, mit einem Notar ein Informationsgespräch über das Thema Erbschaftsplanung zu führen.

Im Gegensatz zu einer verbreiteten Meinung ist weniger das fortschreitende Alter einer Person der ausschlaggebende Punkt um die Erbschaft zu planen, sondern ihre familiäre Situation und die Zusammensetzung ihres Vermögens, unabhängig vom Alter. Wenn die Situation einer Person von dem Modell « verheiratete Eltern, die zusammen mit den Kindern in dem Familienhaus wohnen, welches gleichzeitig der Hauptvermögenswert der Familie ist » abweicht, ist es ratsam einen Notar zu Rate zu ziehen, um zu ermitteln, ob und welche Schritte unternommen werden sollten um z.B. den überlebenden Partner zu schützen oder weniger Erbschaftssteuern zahlen zu müssen.

Die Hauptgründe einen Notar aufzusuchen und die Erbschaft zu planen sind folgende:

  • Steuern sparen: Dem Staat nicht einen großen Teil der Früchte lebenslanger Arbeit in den Rachen zu werfen ist für viele Menschen Motivation genug, ihre Erbschaft mit Hilfe ihres Notars zu planen.
  • Eine Doppelbesteuerung zu vermeiden: Für Grenzgänger ist es durchaus möglich - abhängig von ihrem Hauptwohnsitz und dem Land, in dem ihr Vermögen sich befindet (insbesondere Immobilien und gewisse Gesellschaftsanteile)-, dass gewisse Vermögenswerte z.B. sowohl in Belgien als auch in Deutschland besteuert würden. Es ist bedauerlich aber nicht destotrotz Realität, dass die heutige Zeit noch weit entfernt ist von flächendeckender Nichtdoppelbesteuerungsabkommen.
  • Konflikte/Streit zwischen Erben vorzubeugen : Indem eine Person zu Lebzeiten bestimmt (per Schenkung oder Testament) wer von den Personen, die ihr nahestehen, welche Vermögenswerte übernimmt, erhöht sie die Chancen, Streitigkeiten bei der Aufteilung des Erbe zu vermeiden. Außerdem werden Teilungsgebühren gespart, die sonst anfallen würden, wenn die Erben die ungeteilten Anteile der Immobilien, die sie zusammen geerbt haben, zwischen sich aufteilen.
  • Zeitige Vermögensübertragung an die nächste Generation : Heutzutage erbt man im Durchschnitt im Alter von 52 Jahren, das heißt weit nach der Zeit, in der junge Erwachsene ein Erbe am meisten gebrauchen können, weil große Kosten anstehen z.B. für den Kauf/Bau eines Eigenheims oder um beruflich Fuß zu fassen. Viele Eltern wollen glücklicherweise ihren Kindern in diesem Zeitpunkt finanziell unter die Arme greifen und übertragen folglich einen Teil ihres Vermögens an die Kinder. Dieser bereits geschenkte Teil ist dann natürlich nicht mehr in der späteren Erbmasse der Eltern vorhanden und diesbezüglich werden folglich keine Erbschaftssteuern mehr fällig.

Mitunter werden folgende Bedenken geäußert (die sich jedoch als ungerechtfertigt herausstellen), warum manche Leute zögern, ihre Erbschaft zu planen:

  • Die Angst, sich mit seinem Tod auseinander zu setzen: Diese Angst ist jedoch nicht gerechtfertigt, denn aus Erfahrung ist es so, dass die Menschen, die sich bei einem Notar informiert haben und gegebenenfalls ihre Erbschaft geplant haben, in Wirklichkeit danach deutlich beruhigter sind, als diejenigen, die das Thema vor sich her schieben.
  • Die Angst nicht mehr genug für sich selbst zu haben, sollte man z.B. in ein Pflegeheim müssen: Die großen Planungsmöglichkeiten, die das belgische Recht bietet, zeigen, dass auch diese Angst nicht gerechtfertigt ist. Eine gute Erbschaftsplanung muss immer als erste Priorität den Schutz der Person gewährleisten, die ihre Vermögensübertragung plant. Erst in einem zweiten Stadium kommen andere Interessen ins Spiel, wie z.B. Steuereinsparungen, die Kinder bevorzugen usw.
  • Die Angst nicht mehr selbst entscheiden zu können, z.B. über die Geschicke des Familienunternehmens: Auch diese Angst ist unbegründet, da es durchaus genügend Techniken gibt, eine Betriebsübergabe so vorzunehmen, dass das Eigentum auf die nächste Generation übergeht, die Entscheidungsgewalt jedoch bei der abtretenden Generation bleibt, so lange sie dies wünscht.
  • Die Angst, dass die Kinder noch nicht reif genug sind, um das Vermögen zu verwalten: Hier geben es ebenfalls Möglichkeiten, das Verfügungsrecht (Immobilien verkaufen, Geld ausgeben ...) der Kinder zu erschweren oder gar erst ab einem gewissen Alter (z.B. 18 oder 25 Jahre) zu ermöglichen.

Die Instrumente einer Erbschaftsplanung sind vielfältig. Die Gängigsten sind folgende:

  • Testament: Das Testament ist sicherlich das bekannteste Instrument der Erbschaftsplanung. Es wird in der Praxis oft gebraucht, um das Vermögen zwischen den Erben aufzuteilen (d.h. zu Lebzeiten zu bestimmen wer was erbt, und somit eine Teilung zwischen Erben nach dem Tode zu vermeiden). Auf steuerrechtlicher Ebene wird das Testament auch gebraucht, um das Erbe auf mehrere Schultern zu verteilen und somit aufgrund des progressiven Staffelungssystems bei den Erbschaftssteuern, Geld zu sparen.
  • Schenkung: Die Schenkung führt dazu, dass das Vermögen des Schenkgebers, und somit die Besteuerungsgrundlage für zukünftige Erbschaftssteuern, sich verringert. Eine Schenkung kann Immobilien betreffen oder bewegliche Güter (Geld, Anteile, Gegenstände usw.), wobei Schenkungen von beweglichem Vermögen steuerlich deutlich günstiger sind. Eine Schenkung kann stattfinden mittels Auflagen, z.B. 1) die Auflage den Schenkgeber oder eine andere Person finanziell zu unterstützen, 2) unter Vorbehalt des Nießbrauchs (Nutznießung), was dem Schenkgeber ermöglicht, in der geschenkten Immobilie zu Lebzeiten entschädigungslos zu wohnen oder die Miete einzukassieren, (3) die Auflage dem Schenkgeber eine Leibrente zu zahlen usw.
  • Ehevertrag: Ein vor oder während der Ehe abgeschlossener Ehevertrag bzw. dessen Abänderung ist in der Praxis eine sehr interessante und äußerst günstige Möglichkeit, Maßnahmen der Erbschaftsplanung vorzunehmen.
  • Noch andere Instrumente der Erbschaftsplanung bieten sich an, wie z.B. eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, Lebensversicherungen, Verkauf einer Immobilie mit anschließender Preisschenkung zu einem günstigen Steuersatz usw.

Wir stehen Ihnen zur Verfügung, um Sie bezüglich einer auf Ihre konkrete Situation und Ihren Bedürfnissen und Prioritäten maßgeschneiderte Erbschaftsplanung zu informieren.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf: www.notaire.be.